Zum Roman: Die Entzauberung der Angst

Entstehung

<19.2.2010>

 

Ich schrieb den Roman in der Zeit von 2004 und 2007. Die Medienhype der Schweinegrippe hatte es noch nicht gegeben. Die Vogelgrippe-Hysterie allerdings war schon durchlebt. In gewisser Weise ist der Roman also halb-prophetisch.

 

Wenn man mich fragt, um was es in dem Roman denn überhaupt ginge, bin ich erst einmal sprachlos. Wahrscheinlich passiert das jedem Autor: er schreibt ja gerade ein Buch, weil er das, um was es ihm geht, nicht in einem Satz sagen kann. Da gibt es für einige Fälle einen Stehsatz in der Literaturkritik: „Es geht um die Großen Dinge des Lebens“. In gewisser Weise trifft das für meinen Roman zu: Es geht um den Freien Willen, um den Sinn des Engagements, um das Sterben und um die Liebe.

 

Nicht so ganz nebenbei geht es auch um Gesellschaftskritik, wobei die eigentliche Handlung hierfür nur einen Teil ausmacht, nämlich die Darstellung, wie leicht manipulierbar unsere Gesellschaft mittlerer Weile geworden ist. Mit relativ wenig Aufwand manipuliert ein Pharmakonzern die Öffentlichkeit mit Hilfe von Presse, Politikern und Medizinern, um im Weiteren Milliardengewinne zu lukrieren.

 

Wie schon gesagt: Die Handlung ist hier nur das Vehikel, um sich mit den Fragen des Lebens zu befassen, bzw. mit den Geheimnissen des Lebens. Denn, wie Søren Kierkegaard es formulierte: „Es gibt doch nichts, auf dem soviel Verführung und soviel Fluch liegt wie auf einem Geheimnis.“

 

„Cultura franca“

<9.4.2010>

Man kann meinen Roman „Die Entzauberung der Angst“ auf vielfältige Weise lesen. Er ist voll Anspielungen und Zitaten, vor allem aus den Bereichen der Philosophie, des Films und der Literatur. Der zugrunde liegende Gedanke ist der, auf eine lingua franca der Kultur zurückgreifen zu wollen. Auf eine „Weltsprache“ der Kultur, auf einen Schatz vor allem der westlichen Kulturen, der überall, ob Kanada, Chile, Spanien, Frankreich oder England, verstanden werden kann. Und dabei wissentlich auf den klassischen Bezug, die Bibel nämlich und die griechische Mythologie, zu verzichten.

 

Im Bereich der Philosophie habe ich dies zumeist sehr deutlich und explizit sichtbar gemacht. In den Bereichen des Films und der Literatur aber habe ich viel indirekt gearbeitet. Es soll die Leser, die die Andeutungen nicht kennen, nicht belasten, und denjenigen, die sie kennen, zusätzliches Vergnügen bereiten. Dabei sind die Bezüge sehr unterschiedlich gewichtet. Das kann sich auf die Kleinigkeit der Erwähnung von einer geringfügigen Missbildung der Hände bei einer schönen Frau handeln (wie die Schwimmhäutchen bei Leni in Franz Kafkas, „Der Prozess“), das kann eine leise Kritik an Martin Walser sein, aber auch ein Zentralmotiv meines Romans betreffen, nämlich das des Freien Willens, welches sich lange und eingehend mit Dostojewskis „Der Idiot“ auseinandersetzt.

 

Um die interessierten Leser zu informieren, gebe ich hier eine – unvollständige – Aufzählung der Autoren wieder, die mehr oder weniger versteckt eine Rolle spielen: Samuel Becket, Michail Bulgakow, Camilo José Cela, Fjodor Dostojewski, Andreas Gryphius, Heinrich Heine, Franz Kafka, Elmore Leonhard, Robert Musil, George Orwell, Edgar Allen Poe, Thomas Pynchon, Luis Sepúlveda, Alan Sillitoe, Kurt Vonnegut, Martin Walser, Elie Wiesel.

 

Die Entzauberung der Angst von Michael Pfister

Der Roman ist wie eine Zwiebel. Entblättert man die Häute, so geht es in erster Linie um den freien Willen, um die Existenz Gottes, um unser ICH mit all seinen Facetten, seiner Zerbrechlichkeit (seiner Auslöschung) und seinen Ängsten. Doch die obere Schicht, die zuallererst ins Auge fällt, handelt von einem realitätsnahen, milliardenschweren Wirtschaftsbetrug:

 

Ein österreichischer Journalist und Mirko Oric, der an Panikattacken leidende serbische Student mit Philosophie-Fimmel und einer erklecklichen Anzahl innerer Stimmen, werden in eine geschickt eingefädelte Täuschung verwickelt. Könnte es denkbar sein, dass mächtige, global operierende Konzerne die Öffentlichkeit im Interesse ihrer Profitmaximierung manipulieren?

 

Der Aufklärung verpflichtet kämpft der investigative Pressemann zusammen mit dem vor der Pension stehenden Wiener Inspektor Schlaf einen ungleichen Kampf, in dem der Mord-Zeuge Oric zum Gejagten wird und die schöne Lea zu unverhofftem Reichtum kommt. Ausgang nimmt die Geschichte schlüsselromanartig in Österreich.

 

Haben Sie das alles jetzt verstanden? Nein? Grämen Sie sich nicht. Da gibt es so einiges, was rätselhaft bleibt, aber seit Gödel sollten wir wissen, dass unser Gehirn vielleicht dies und jenes erkennen, aber irgendwann auf Aussagen stoßen wird, die es weder beweisen noch widerlegen kann. Sagt jedenfalls Mirko Oric.

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