Walter Ladisich

Walter Ladisich, „Meine Liebe zu Keja“

Ein stiller, stark autobiographisch anmutender Roman – ohne Selbstmitleid – um die unerwidert gebliebene unglückliche Liebe des Medizinstudenten Polykarp zu Keja, einer Roma.

 

Um sie zu verstehen und ihr näher zu kommen, beschäftigt sich der nachdenkliche Ich-Erzähler mit den Lebensgewohnheiten und kulturellen Hintergründen dieses Volkes, wobei die eigene familiäre Herkunft – der Vater war Nationalsozialist, die Mutter verübte Selbstmord, als sie vom Eintritt ihres Sohnes in eine Burschenschaft erfährt – reflektiert werden muss.

 

Die Gedanken, die dem Studenten durch den Kopf gehen, sind wie ein Brief, den ein Vater seinen Kindern schreibt, weil er sein Innerstes nach Außen zu bringen trachtet. Ladisich legt hier sein humanistisches Weltbild dar, geplagt von gelegentlichen Zweifeln an der fest greifbaren Welt der naturwissenschaftlichen „Gewissheiten“. Ein sehr ehrlicher und tiefgehender Roman, dessen Lektüre ein Gewinn ist.

<Feb. 2010>