Thomas Pynchon

Das Problem der kommerziellen Buchkritik ist es, schnell auf Neuerscheinungen reagieren zu müssen, und so bekommen die Wortfriseure der Feuilletons den Auftrag, ihre Besprechungen innerhalb der nächsten Tage abzuliefern.

Bei 90 Prozent der zu lesenden Literatur funktioniert das. Relativ anspruchslos geht der zu besprechende Text dahin und die sowieso nicht übermäßig gut besoldeten professionellen Leser jungfräulicher Texte basteln dann eine geschmeidige Dutzendrezension daraus, gut bestückt mit ihren Worthülsen aus dem ihnen eigenen Imponierphrasen-Arsenal.

Bei den Romanen von Thomas Pynchon funktioniert das nicht. Sie zu lesen braucht Zeit, höchste Konzentration und vielleicht sogar nebenbei gemachte Notizen und kleine Recherchen. Also werden uns in den ersten Buchrezensionen oftmals klägliche Besprechungen geliefert, die zu allem Unglück besseren den Weg versperren, weil die Feuilletons die Neuerscheinungen nicht zweimal hintereinander besprechen lassen wollen. Pynchon kann man aber nicht schnell mal quer lesen, dann erfassen, um was es ihm ankommt und es auf den Punkt bringen. Stattdessen wird ein bisschen aus der Handlung zitiert, mit Namen der dort verwickelten Protagonisten gewürzt, um einen Lesenachweis zu liefern, und dann ein beliebiger wohlklingender Schlusssatz angefügt. So ist es also gar nicht schlecht, wenn man sich wirklich etwas Zeit lässt.