Gedanken beim Joggen in Spanien
Der Unterschied zwischen den Österreichern und den Spaniern besteht nicht zuletzt im Unterschied in der Wahrnehmung von Fremden. Wahrscheinlich hat das alles tiefe historische Wurzeln. Der Österreicher ist angeblich noch tief traumatisiert durch die Türkenbelagerung, von der er durch den Polen Senekowitsch befreit wurde, was natürlich die Aversion gegenüber den Türken absolut schlüssig erklärt, nicht aber erklärt, warum auch die Polen, denn Senekowitsch oder wie er hieß, war ein Pole, in Österreich nicht gut angesehen sind.
Gut. Das aber wird erklärt durch die bekannte Tatsache, dass der Pole unsere Autos stiehlt. Dass unser ehemaliger Fußballtrainer der Nationalmannschaft, nämlich Sobieski, die Deutschen in Córdoba vernichtend geschlagen hat, auch unzweifelhaft Pole war oder da irgendwoher kam oder zumindest seine Vorfahren, was aufs gleiche kommt, macht den Österreicher in seiner Analyse nicht irre. Wer über genügend Geschichtskenntnisse verfügt, könnte noch viele zwingende Erklärungen anführen, aber das soll mal hier genügen.
Der Spanier hingegen sieht die Fremden weniger als Bedrohung. Wahrscheinlich, weil es bei ihnen schon länger her ist, dass sie die Indianer in Südamerika massakriert und bei sich zu Hause die Juden vertrieben haben, und außerdem lässt es sich als Fußballweltmeister leicht großzügig sein.
Aber eigentlich braucht man gar nicht so tief über die Angelegenheit nachdenken, wenn man mal in Spanien war und die dortigen Hunde kennengelernt hat. Während der österreichische Hund, geprägt durch die Weltsicht seines Herrchens, in jedem fremd dahergelaufenen Jogger sofort den Feind erkennt und bösartig bellend versucht, diesem ins Bein zu beißen, angestachelt durch den mit bekanntem österreichischem Charme gerufenem Schlachtbefehl seines Herrchens ‘Der will ja nur spielen!’ , nimmt der spanische Hund vom Jogger keine Notiz. Er hat es schon längst aufgegeben, die unzähligen Freunde seines Besitzers zu unterscheiden.